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Triathlon-Vortrag: Timo Bracht in Bayreuth
Einen offenen, redegewandten und kompetenten Timo Bracht erlebten die Zuhöher bei einem Vortragsabend der Universität Bayreuth –und erfuhren ganz nebenbei noch eine Menge über die besonderen Anforderungen einer Triathlon-Langdistanz.
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Von wegen Wettkampfgewicht: „Ich wiege eigentlich immer um die 70 Kilo, das sieht manchmal eben nach mehr und manchmal nach weniger aus“, beantwortet Timo Bracht, Zweiter des Ironman Germany in Frankfurt, eine Frage aus einer der oberen Reihen. „Die Sache mit dem Gewicht ist eigentlich ganz einfach. Immer wenn meine Oma sagt, ich sei zu mager, dann weiß ich: Ich bin in Topform.“ Gewichtsschwankungen, Training, Ernährung, Regeneration, Anti-Doping – es ist ein Rundumschlag durch den Triathlonsport, zu dem Bracht an diesem Abend im Audimax der Universität Bayreuth ausgeholt hat. Und dass die mehreren Hundert Zuhörer im dritten Teil der Vortragsreihe „Sport & Medizin“ an seinen Lippen hängen, liegt nicht nur daran, dass hier ein Profisportler aus dem Nähkästchen plaudert. Redegewandt, informativ, humorvoll und hochprofessionell kommt Bracht als Referent daher und man glaubt ihm sofort, als er zu Beginn seines 40-minütigen Vortrags sagt, dass er sich über die Einladung von Prof. Walter Schmidt, Dr. Nicole Prommer und Prof. Klaus Fritsch vom Institut für Sportwissenschaft der Universität Bayreuth gefreut habe.
Zehn Gels aus der Flasche
„Triathlon bedeutet im Moment für mich alles. Alles zu probieren, alles zu wagen – und alles zu geben“, mit diesen Worten aus seinem Imagefilm, der eindrucksvoll über die Wand des riesigen Hörsaals flimmert, ließ Bracht seinen Vortrag beginnen. Um Motivation geht es an diesem Abend, aber auch um knallharte Daten: Ergebnisse aus Leistungsdiagnostiken wechseln sich mit Bildern von der Radstrecke auf Hawaii ab, Bracht zeigt Dopingkontrollformulare, Blutwerte und Trainingsdaten. Und nach wenigen Minuten ist auch den Studenten in der letzten Reihe klar: Triathlon ist viel mehr als nur Schwimmen, Radfahren und Laufen. Und beginnt schon lange vor dem eigentlichen Startschuss mit akribischer Vorbereitung. Dem Erstellen von penibel einzuhaltenden Verpflegungsplänen zum Beispiel. „Genau zehn Gels quetsche ich vor einem Rennen in eine Radflasche. Dann einfach mit Wasser auffüllen und im Rennen alle 20 Minuten einen großen Schluck.“ Dass er ein „Tüftler“ und „gewiefter Taktiker“ sei, wie Bracht an Artikeln aus der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau zeigt, hält er für übertrieben. „Bevor ich in Frankfurt Europameister wurde, habe ich am Neckar Brückenläufe gemacht und das dann nach dem Rennen bei einem Interview erwähnt. Das verfolgt mich heute noch!“
Bracht kein Tüftler? Daran mag man zweifeln, als er wenige Minuten später erklärt, warum er angefangen hat, im Rennen Kompressionsstrümpfe zu tragen. Eine Dokumentation für Kinder habe er sich im Fernsehen zusammen mit seinem Sohn angeschaut. Darin ging es um Känguruhs, die die Mittagshitze nur ertragen, weil sie ihre Arme und Beine mit Speichel befeuchten. Feuchte Waden gegen Überhitzung? Bracht wurde hellhörig und wollte der Sache auf den Grund gehen. Mit einer Wärmebildkamera verglich er Kniestrümpfe mit kurzen Socken, im nassen und im trockenen Zustand. Als die entsprechenden Bilder rot und blau in seiner Präsentation auftauchen, muss der Eberbacher nicht mehr viel sagen: „Damit war die Entscheidung für die Strümpfe gefallen. Denn nass werden sie im Rennen von alleine.“ Die Zuhörer erfahren auch, dass Bracht seinen Magen daran gewöhnt hat, schnelle Laufeinheiten auch „nach einem üppigen Mittagessen“ mitzumachen, dass Kohlenhydrate auch für den Kopf wichtig sind und dass Brachts individuelle anaerobe Schwelle bei einer Laufgeschwindigkeit von 3:25 Minuten pro Kilometer liegt. Seine Hauptbotschaft in diesem Vortrag sei aber eine ganz andere, schließt der Profi trotz aller Unterhalter-Qualitäten. „Macht mehr Sport, macht mal einen Triathlon, vielleicht sogar einen Ironman.“
Cheese-Muffin mit Honig – das Erfolgsrezept?
Was das für eine Belastung so eine Langdistanz aus 3,8 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren und 42,195 Kilometern Laufen für den Körper ist, hatte vor Brachts Präsentation Dr. Klaus Pöttgen demonstriert. Der Medizinische Leiter des Ironman Germany rechnete im größten Hörsaal der Bayreuther Universität eindrucksvoll den Energieverbrauch bei einem Ironman vor – mehr als 8.500 Kilokalorien, von denen aufgrund durchdachter Ernährungsstrategien und verbesserter Produkte für Sportler inzwischen über 70 Prozent im Rennen wieder aufgenommen werden können. „Die Planung des Energiemanagements ist bei einem Ironman enorm wichtig“, so Pöttgen, der nicht nur aktuelle Studien, sondern auch die Ernährungstrategien der Hawaiisieger Chrissie Wellington und Craig Alexander präsentierte. Perfekt durchdacht und penibel beachtet zum Beispiel der Diätplan der dreifachen Weltmeisterin Wellington: drei Stunden vor dem Start ein Cheese-Muffin mit Honig, auf dem Rad zwei Flaschen mit exakt 600 Kilokalorien und ein Schokoriegel von 219 Kilokalorien, bei Laufen dann alle 20 Minuten ein Gel. Nicht früher, aber auch nicht später. Das Rezept für den Erfolg? „Ihr Ziel, pro Stunde 90 Gramm Kohlenhydrate pro Kilogramm Körpergewicht aufzunehmen, hat sie damit jedenfalls erreicht“, so Pöttgen. „Ein Wert, an dem sich alle Langstreckentriathleten orientieren sollten.“
Der Vortragsabend „Triathlon“ war der dritte aus der Reihe „Sport & Medizin“. Die regelmäßig im Audimax der Universität Bayreuth stattfindende Veranstaltung wurde unter anderem von Prof. Walter Schmidt und Dr. Nicole Prommer ins Leben gerufen. Die beiden Sportwissenschaftler haben sich vor allem durch ihren Kampf gegen Doping einen Namen gemacht: Sie entwickelten vor einigen Jahren die sogenannte CO-Rückatmungsmethode, eine Technik, mit der sich schnell und kostengünstig Blutdoping nachweisen lässt. Sina Horsthemke aus Bayreuth
Weitere Informationen Vortragsreihe Sport & Medizin Website des Instituts für Sportwissenschaft der Universität Bayreuth Imagefilm Timo Bracht
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