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02. Juli 2009

Triathlon-EM: Euphorie im deutschen Team

© Jan Sägert / spomedis
Thomas Springer
Die deutschen Top-Stars verzichten zugunsten der WM-Serie auf die Kurzdistanz-EM am kommenden Wochenende. Medaillen scheinen im niederländischen Holten dennoch möglich - berechtigte Hoffnungen darauf hegt vor allem der neue Deutsche Meister Thomas Springer.

Maik Petzold, Daniel Unger und Jan Frodeno, Christiane Pilz, Ricarda Lisk und Anja Dittmer – sie alle werden am Wochenende nicht dabei sein, wenn es im niederländischen Holten um die Europameister-Titel im Triathlon geht. Zu wichtig sind derzeit die Rennen der neuen Weltmeisterschaftsserie, zu vollgestopft ist der Terminkalender der Kurzstrecken-Profis. Für 17 andere DTU-Kaderathleten ist die olympische Distanz am Sonntag jedoch einer der Saisonhöhepunkte; sie wollen möglichst weit vorn mitmischen im Kampf um die vier EM-Titel. Zudem geht es um die Fahrkarten für das große WM-Finale im September an der australischen Gold Coast.

Springers offene Rechung

Die besten Chancen auf eine vordere Platzierung, vielleicht gar auf eine Medaille, hat Thomas Springer, der sich im Mai beim Europacup im spanischen Pontevedra für die Titelkämpfe qualifiziert hatte. Zwar trifft der 24-jährige Hallenser am Sonntagnachmittag auf so hochkarätige Gegner wie die Franzosen Frédéric Belaubre und Tony Moulai oder den amtierenden Weltmeister Javier Gomez aus Spanien, doch als frischgebackener Deutscher Meister dürfte der starke Läufer eine große Portion Selbstbewusstsein mit nach Holten nehmen: „Im Moment verspüre ich eine unglaubliche Lockerheit“, so Springer wenige Tage vor seinem zweiten Saisonhöhepunkt. „Die Euphorie nach dem Titelgewinn am Schliersee hat mir scheinbar Flügel verliehen.“ Apropos Schliersee: Mit dem Gesamtsieger des Rennens, dem Russen Ivan Vasiliev, hat Springer ohnehin noch ein Rechnung offen. Die Gelegenheit, sie zu begleichen, gibt es am Wochenende.

Heiße Titelkandidaten sind außerdem der britische Überflieger Alistair Brownlee, der tschechische Ex-Weltmeister Filip Ospaly und die drei Medaillengewinner der U23-EM des vergangenen Jahres, Joao Silva, Dmitry Polyansky und Miguel Arraiolos. Doch von der hochgehandelten Konkurrenz lässt sich Springer nicht einschüchtern: „Ich freue mich auf die Herausforderung. Wenn ich nach dem Schwimmen vorn dabei bin, kann ich den Topathleten Paroli bieten.“ Auch Sebastian Rank und Jonathan Zipf wollen sich in Holten für das WM-Finale qualifizieren, Olympiastarter Christian Prochnow und der Fünfte des Europacups im koreanischen Tongyeong, Steffen Justus, sind ebenfalls am Start.

Deutscher Nachwuchs nur Außenseiter

Im Juniorenrennen der Männer gehen die fünf gemeldeten deutschen Nachwuchsathleten nur mit Außenseiterchancen in den Titelkampf. Dominik Schmutzler, Micha Zimmer, Stefan Zachäus, Michael Wocker und Steven Jentsch wollen sich vielmehr für den B-Kader 2010 empfehlen und im besten Fall ein Ticket fürs WM-Finale im September sichern: Nur drei von ihnen dürfen mit an die Gold Coast, eine Top-Ten-Platzierung ist dafür Voraussetzung. Auch die Juniorinnen Caroline Nordkamp, Wencke Stoltz, Charlotte Bauer und Carina Brechters haben die Kaderempfehlung und das WM-Ticket im Visier – ansonsten geht es für den deutschen Nachwuchs in Holten wohl vor allem darum, internationale Rennerfahrung zu sammeln. Im Kampf um den Titel scheint Vorjahressiegerin Emmie Charayron aus Frankreich auch in diesem Jahr wieder die besten Karten zu haben.

Vorjahressiegerin bisher außer Form

Im Eliterennen der Frauen deutet vieles auf einen schwedisch-schweizerischen Zweikampf hin: Lisa Norden, im vergangenen Jahr Dritte, und Daniela Ryf sind hier die großen Favoritinnen. Als Vorjahressiegerin ist natürlich auch mit Vanessa Fernandes aus Portugal zu rechnen – doch während Norden und Ryf in dieser Saison schon mit internationalen Spitzenplatzierungen glänzen konnten, hat sich die Weltmeisterin von 2007 in diesem Jahr noch kein einziges Mal in Topform präsentiert. Medaillenchancen hat dagegen die Französin Jessica Harrison, die Ende Mai beim WM-Rennen in Madrid Dritte wurde. Auch der Junioren-Weltmeisterin von 2007, Hollie Avil aus Großbritannien, ist ein Podestplatz zuzutrauen.

An einem guten Tag könnten auch die deutschen Frauen, Svenja Bazlen, Sarah Fladung und Alena Stawczynski, das Renngeschehen an der Spitze mitbestimmen, die Medaillenchancen sind aber auch hier eher als gering einzuschätzen. Für die Schweiz starten neben Ryf noch Nicola Spirig und Melanie Annaheim. Auch Kate Allen, die österreichische Olympiasiegerin von 2004, macht auf ihrer „Abschiedstour“ in Holten Station.

70 Agegrouper aus Deutschland stürmen Holland

Bevor am Sonntag die Junioren- und Eliterennen gestartet werden, ermitteln am Samstag ab 12 Uhr in sechs Rennen insgesamt 800 Agegrouper aus ganz Europa ihre Meister. Mit dabei sind auch 70 Athleten aus Deutschland, die im Touristendorf Holten bei einem der größten Triathlons der Niederlande auf Medaillenjagd gehen wollen.
Sina Horsthemke

Informationen
Website der ETU Triathlon European Championships
Ergebnisse der EM 2008 in Lissabon

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