Schliersee: Pilz und Springer neue Titelträger
Thomas Springer
Christiane Pilz und Thomas Springer heißen die neuen Deutschen Meister im Triathlon. Während Pilz am Schliersee schon ihren vierten nationalen Titel feierte, gelang dem 24-jährigen Hallenser der größte Coup seiner Karriere. Ivan Vasiliev holte sich den Gesamtsieg.
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Springer war einer der Geheimfavoriten - doch so richtig auf der Rechnung hatte ihn vor dem Start nur Bundestrainer Roland Knoll, der offenbar um die Laufstärke des Hallensers wusste. Dabei war der 24-Jährige am Vormittag beim Schwimmen im von Nebel und Regen verschleierten Schliersee noch nicht so richtig in die Gänge gekommen. Fast eine Minute hinter der Spitze, angeführt vom Russen Ivan Vasiliev und dem Neuseeländer Dylan McNeice, spurtete er in die schlammige erste Wechselzone.
Attacken am Spitzingsattel
Auf dem Rad bildete sich vorn nach knapp 20 Kilometern eine illustre Spitzengruppe. Mit dabei: Die Australier James Seear und Richie Cunningham, Andreas und Michael Raelert, der Slovake Pavel Simko und eben Vasiliev. Mit einem Höllentempo nahm die Gruppe die zahlreichen Anstiege und gefährlichen Abfahrten in Richtung Spitzingsee. In dem Glauben, alle Verfolger einige Minuten abgeschüttelt zu haben, erreichte das Sextett den Schlussanstieg am Spitzingsattel. Dort attackierte Vasiliev als Erster und keiner der anderen war in der Lage, dem harten Antritt des jungen Russen zu folgen. Einen Angriff wagte auch Thomas Springer, allerdings aus der ersten Verfolgergruppe, deren Abstand zu den Führenden nie größer als eine Minute war. Vor allem Vorjahressieger Michael Raelert war überrascht, als sein Buschhüttener Teamkollege schon bei der Überquerung des Spitzingsattels den Anschluss zu ihm hergestellt hatte.
"Sensationelle Laufform"
Als Fünfter und schon dort bester Deutscher verließ Springer die zweite Wechselzone am Ufer des Spitzingsees und sammelte schon kurz darauf zunächst Simko, den Schliersee-Sieger von 2007, und später auch die Australier Seear und Cunningham ein. Und auch Vasiliev kam der ausgebildete Masseur noch gefährlich nah - am Ende reichte es aber doch nicht ganz, um den ersten Sieg des Russen zu verhindern. Dieser blieb am Schliersee nach Michael Raelert als Zweiter überhaupt unter der Zwei-Stunden-Marke. In 1:59:40 Stunden verpasste er den Streckenrekord des Rostockers aber um einige Sekunden. Auch Springer, der im Ziel als neuer Deutscher Meister die Hände über dem Kopf zusammenschlug, knackte noch die magische Grenze. "Ich wusste, dass ich in einer sensationellen Laufform bin", erzählte er nach dem wichtigsten Erfolg seiner Karriere. In 32:39 Minuten zauberte er die mit Abstand schnellste Zeit in den aufgeweichten Boden rund um den Spitzingsee. Als Zweiter der Deutschen Meisterschaft jubelte zunächst Jonathan Zipf. Doch schon kurz nach dem Zieleinlauf kam es zu mehrminütigen Diskussionen mit dem Chef-Kampfrichter. Diesem war aufgefallen, dass Zipf die zweite Wechselzone ohne Startnummer verlassen hatte. Mehrere Versuche, ihm die Nummer im Rennverlauf zu übergeben, seien gescheitert. Zipfs Team erhob Einspruch gegen die Entscheidung. Nachdem dieser schließlich abgewiesen wurde, standen die Brüder Michael und Andreas Raelert als Zweiter und Dritter der nationalen Wertung fest.
Pilz riskiert nichts
Bundestrainer Roland Knoll hatte auch beim Siegtipp für das Frauenrennen den richtigen Riecher. Nur das Wetter könne Christiane Pilz auf dem Weg zum vierten Deutschen Meistertitel stoppen, orakelte Knoll, der den Klassiker im Alpenvorland selbst schon dreimal gewinnen konnte, vor dem Start. Nach einer soliden Schwimmleistung - Pilz stieg etwa eine Minute nach der Leipziger Olympiaschwimmerin Janin-Kristin Götz als Fünfte aus dem 18,4 Grad kalten Schliersee - tat ihr auf den ersten 35 Radkilometern keine der etwa 20 Konkurrentinnen in der Kopfgruppe weh. Auch die 33-Jährige selbst sah keine Veranlassung mehr zu tun als nötig: "Ich wollte auf den nassen Straßen nichts riskieren und hab mich auch deshalb unterwegs ein bisschen zurückgehalten."
"Wie schnell ist die Finnin?"
So rollte das Peloton fast geschlossen in den Schlussanstieg, zerfiel aber schon auf dem ersten Kilometer in seine Einzelteile. Mit nur wenigen Metern Abstand erreichten Pilz, die Deutsche Duathlonmeisterin Anne Haug und die Finnin Kaisa Lehtonen nach einem Vier-Kilometer-Aufstieg den von einigen hundert Zuschauern gesäumten Spitzingsattel. In der kurzen rasenden Abfahrt Richtung Spitzingsee schloss sich das Trio wieder zusammen, die Entscheidung um Sieg und Deutschen Meistertitel sollte auf der Laufstrecke fallen. Christiane Pilz taktierte nach dem Wechsel nicht lange, schlüpfte am schnellsten in ihre Laufschuhe und legte so gleich auf den ersten Metern einige Sekunden zwischen sich und ihre beiden Konkurrentinnen. Siegessicher sei sie sich dennoch lange nicht gewesen, weil sie nicht gewusst habe wie schnell die Finnin laufen kann. So lief Pilz etwas schneller "als eigentlich geplant war" - und hielt Lehtonen bis ins Ziel sicher auf Distanz. Nach 2:19:26 Stunden feierte die Rostockerin beim Alpentriathlon nach einigen erfolglosen Anläufen endlich ihren ersten Sieg, den Deutschen Meistertitel sicherte sie sich schon zum vierten Mal. Anne Haug, die auf der Radstrecke fast 30 Kilometer um den Anschluss nach vorn gekämpft hatte, wurde für ihre kraftraubende Solofahrt mit dem dritten Platz belohnt. Nach Gold im Duathlon bedeutete das den Deutschen Vizemeistertitel im Triathlon. Als Gesamt-Vierte und Dritte der Deutschen Meisterschaft meldete sich die Thüringerin Kathrin Müller endgültig im Wettkampfgeschehen zurück.
Jan Sägert vom Spitzingsee
22. Hexal Alpen Triathlon /Int. Deutsche Meisterschaften
1,5 km Schwimmen, 40 km Rad, 10 km Laufen
20. Juni 2009, Schliersee-Spitzingsee
Frauen
1. Christiane Pilz (GER) 2:19:26 (19:23-1:21:55-37:58) 1. DM
2. Kaisa Lehtonen (FIN) 2:20:13 (20:36-1:20:59-38:37)
3. Anne Haug (GER) 2:20:37 (20:48-1:20:47-39:01) 2. DM
4. Kathrin Müller (GER) 2:22:17 (19:31-1:22:49-39:56) 3. DM
5. Lena Brunkhorst (GER) 2:22:36 (20:36-1:23:22-38:36) 4. DM
6. Sarah Fladung (GER) 2:22:47 (19:53-1:23:24-39:29) 5. DM
7. Olesya Prystayko (UKR) 2:23:13 (20:45-1:22:25-40:02)
8. Juliane Straub (GER) 2:23:17 (22:44-1:22:09-38:24) 6. DM
9. Andrea Brede (GER) 2:23:35 (20:39-1:21:16-41:38) 7. DM
10. Julia Wagner (GER) 2:23:54 (21:00-1:22:29-40:24) 8. DM
Männer
1. Ivan Vasiliev (RUS) 1:59:40 (17:46-1:08:33-33:21)
2. Thomas Springer (GER) 1:59:59 (18:39-1:08:40-32:39) 1. DM
3. Richie Cunningham (AUS) 2:01:16 (18:49-1:07:56-34:30)
4. James Seear (AUS) 2:01:18 (17:49-1:08:53-34:35)
5. Michael Raelert (GER) 2:01:24 (17:48-1:09:36-34:00) 2. DM
6. Brice Daubord (FRA) 2:01:27 (17:53-1:10:03-33:30)
7. Andreas Raelert (GER) 2:01:44 (17:57-1:09:28-34:19) 3. DM
8. Nils Frommhold (GER) 2:01:46 (17:56-1:10:04-33:45) 4. DM
9. Pavel Simko (SVK) 2:02:01 (17:52-1:08:56-35:12)
10. Tim Lange (GER) 2:02:09 (17:58-1:10:01-34:09) 5. DM
1. Triathlon Bundesliga
1,5 km Schwimmen, 40 km Rad, 10 km Laufen
20. Juni 2009, Schliersee-Spitzingsee
Frauen
1. Synergy-Sports Team TV 48 Erlangen (17)
2. Schwalbe Team Krefelder KK (24)
3. Erdinger AF Team SC Riederau (29)
4. TV Lemgo (44)
5. Asics Team Witten (45)
6. TuS Griesheim (56)
7. ALZ Sigmaringen (60)
8. Vivimed-Team TuS Neukölln (70)
9. Team Sport-Makler.de Wurzen (71)
10. AVU PV Triathlon Witten (80)
Männer
1. EJOT Team TV Buschhütten (14)
2. Asics Team Witten (39)
3. TuS Griesheim (75)
4. Stiebel Eltron TSV Obergünzburg (86)
5. Hansgrohe Team Schwarzwald (107)
6. Prekwinkel Team TV Lemgo (127)
7. Zeppelin Team OSC Potsdam (138)
8. AVU PV Triathlon Witten (139)
9. ALZ Sigmaringen (145)
10. WMF-BKK Team AST Süßen (147)
11. Hannover 96 (157)
12. Synergy-Sports Team TV 48 Erlangen (169)
13. StartNet Team DSW Darmstadt (180)
14. Erdinger AF Team Dresdner Spitzen (193)
Bildergalerien
Int. Deutsche Meisterschaften Schliersee 2009
Informationen
Website Alpentriathlon Schliersee
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