Doping in Österreich: Die dritte Dimension
Sichere Analysen?
Mit ihren Dopinggeständnissen belasten Triathletin Lisa Hütthaler und Radprofi Bernhard Kohl nicht nur ihre mutmaßlichen Dealer und die Wiener Blutbank Humanplasma. Inzwischen gerät sogar Österreichs Dopinganalyse-Labor in Seibersdorf in schiefes Licht.
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Mit ihrem letzten, dem wohl umfangreichsten Geständnis vor der Rechstkommission der NADA brachte die wegen EPO-Dopings gesperrte ehemalige Nationalkader-Triathletin Lisa Hütthaler endlich auch Licht in die bis dahin ungeklärten Vorgänge um ihren Bestechungsversuch am Dopinglabor in Seibersdorf. Die 25-jährige Wienerin gab zu, einer Mitarbeiterin des Labors 50.000 Euro angeboten zu haben, um die B-Probe ihrer positiven Trainingskontrolle vom 23. März 2008 zu manipulieren. Sie habe aus Kreisen des Radsports gehört, dass das desöfteren funktioniert habe, sagt Hütthaler, die trotz Verringerung einer sechsjährigen Wettkampfsperre auf 18 Monate am vergangenen Montag ihren Rücktritt erklärte.
Sämtliche Proben codiert?
Ein WADA-akkreditiertes Doping-Analyse-Labor von überführten Sportlern bestochen? Das Dementi aus Seibersdorf kam prompt: "Das ist ein Wahnsinn", so der Chef des Instituts, Dr. Günter Gmeiner, in einer ersten Reaktion gegenüber österreichischen Medien. "Wir weisen das auf das Schärfste zurück. Es ist nicht möglich in einem von der WADA akkreditierten Labor. Und dass das nicht möglich ist, zeigt der Fall Hütthaler eindeutig." In einer nachfolgenden Pressemeldung verwies der Laborleiter zudem darauf, dass man sämtliche Proben anonymisiert und mit einem Code versehen erhalte und daher keine Verbindung zu Athletennamen oder Fällen herstelle.
Am Karsamstag allerdings zitiert der Kurier, Leitmedium in der sich immer mehr ausweitenden Doping-Affäre, aus einem Interview mit dem 2006 wegen Anabolika-Dopings für zwei Jahre gesperrten Langdistanz-Triathleten Georg Swoboda. Der will nach Bekanntwerden seiner positiven A-Probe den Wiener Kinderarzt und Hobbytriathleten Andreas Zoubek um Hilfe ersucht haben, worauf dieser entgegnet habe: "Das haben wir gleich." Zoubek habe zum Handy gegriffen, Gmeiner angerufen und das Telefon dann an Swoboda weitergereicht. Im folgenden Gespräch habe Gmeiner zu erkennen gegeben, dass er die positive A-Probe Swoboda ebenso zuordnen konnte wie dem Wettkampf, bei dem diese genommen worden war: die Österreichischen Staatsmeisterschaften in Podersdorf. Gmeiner habe ihm geraten, er solle die B-Probe öffnen lassen, dann werde man weitersehen, behauptet Swoboda, der seit Ablauf seiner Sperre im vergangenen Herbst wieder startberechtigt ist.
"SOKO Doping" vor gigantischen Aufgaben
Swobodas Unterstellungen geben der Doping-Affäre eine neue, dritte Dimension und stellen die zehnköpfige "SOKO Doping" in Österreich damit wohl vor eine weitere Herausforderung. Dem Vernehmen nach ermittelt die im November 2008 ins Leben gerufene Einheit derzeit erneut gegen die Wiener Blutbank Humanplasma sowie gegen zahlreiche mutmaßliche Doping-Abnehmer der in Untersuchungshaft sitzenden Stefan Matschiner (Ex-Manager von Radprofi Bernhard Kohl) und Walter Mayer (ehemaliger Skilanglauftrainer des ÖSV). Zahlreiche Spuren sollen dabei ins Ausland zeigen und dürften sich nicht allein auf den Wintersport, den Radsport und die Leichtathletik beschränken.
Zu den schweren Vorwürfen gegen das Doping-Analyse-Labor Seibersdorf könnte dessen Chef schon bald zur Aussage gezwungen sein. Im noch ausstehenden strafrechtlichen Verfahren gegen Lisa Hütthaler dürfte der Mitte März zum Präsidenten der Weltvereinigung der Anti-Doping-Wissenschaftler (WAADS) gewählte Gmeiner als Zeuge geladen werden. Auch Hütthaler habe vor der Rechtskommission der NADA weitere Namen genannt, heißt es.
Jens Richter
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ARD: Anti-Doping-Webmagazin
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