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22. Dezember 2009

Daniel Unger: "Die Zeit der Ausreden ist vorbei"

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Daniel Unger
Daniel Unger ist einer der größten Sympathie- und Leistungsträger des Triathlons in Deutschland. Zuletzt geriet der Motor des 31-jährigen Weltmeisters von 2007 etwas ins Stottern. Im tri-mag.de-Interview spricht er offen über die Gründe – und sein nächstes großes Ziel.

Privat war das Jahr für Sie ausgesprochen erfolgreich – Ihr sportliches Fazit fällt wahrscheinlich nicht ganz so positiv aus …

Das ist richtig. Aber für mich waren die Prioritäten im nacholympischen Jahr etwas anders gelagert. Nun bin ich stolzer Vater eines kleinen Sohnes und habe keine Ausreden mehr für 2010.

Nach zwei "fetten" Jahren blieben die ganz großen Erfolge in dieser Saison aus. Haben Sie sich schon auf Ursachensuche begeben und wenn ja, wo lagen die wichtigsten Gründe für die durchwachsenen Ergebnisse?

Es gibt mehrere Gründe, die meine Saisonbilanz etwas geschmälert haben und mager erscheinen lassen. Zum einen war mein großes Ziel - die Olympischen Spiele von Peking - vorbei. Zum anderen hatte ich mit Reifenpannen, Feuerquallen, Treibholz und einer Sommergrippe zu kämpfen. Unter diesen Umständen war es dann doch nicht so einfach, eine Erfolgsserie zu starten! Dazu kam, dass der innere Antrieb für die Rennen in Hamburg 2007 und Peking 2008 für mich viel größer war als für die neu geschaffene Weltmeisterschaftsserie in diesem Jahr. Trotzdem wollte ich natürlich maximale Erfolge, die sich allerdings nicht mit der Brechstange erzwingen lassen. Nach meinem sechsten Platz bei den Olympischen Spielen und einer herausragenden Saison 2008 habe ich zu lange mit dem Wiedereinstieg ins konzentrierte Training gezögert und wollte dann mit der Brechstange zurück zu alter Form. Als Quittung habe ich mir dafür viele kleine Zwangspausen eingefangen. Für meine langfristige Planung war das, so komisch es vielleicht klingen mag, aber hervorragend. Ich habe meine Grenzen aufgezeigt bekommen, musste Niederlagen einstecken und sportliche Rückschläge verkraften. Siege sind niemals das Resultat von Glück und Zufall. Mit dieser Erkenntnis stehe ich nun wieder jeden Morgen auf und starte in meinen Trainingstag ...

Welche Schlüsse ziehen Sie persönlich aus dem Verlauf Premierensaison der World Championship Series? Viele sprechen von einem guten Format für den Triathlon - ist es auch das passende Format für Sie?

Grundsätzlich bietet die Serie eine interessante Plattform, gerade für uns in Deutschland. Durch die großen Erfolge in den vergangenen drei Jahren, aber auch durch die Qualität unserer Mannschaft mit mittlerweile vier Athleten auf Weltklasseniveau und einem starken Nachwuchs direkt dahinter, haben wir es geschafft, den Triathlonsport in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Nun muss man aber auch Überlegungen zulassen, die das Format der Serie nachhaltig steigern. Ich denke, dass gerade für eine interessante TV-Präsentation nicht nur spektakuläre Orte zählen. Meiner Meinung nach müsste auch über neue Wettkampfmodi nachgedacht werden.

Woran denken Sie konkret?

Ich kann mir beispielsweise kurze Auftaktveranstaltungen wie Prologe als Zeitfahren, Jagdstarts oder Sprintrennen vorstellen. Dazu klare Punkteschlüssel und vielleicht auch Leader-Trikots wie in der Top-Four-Tour Ende der 90er Jahre. Prämien und Zeitgutschriften für die besten Schwimmer, Radfahrer und Läufer. Eventuell auch Teamstaffeln oder Mannschaftswettkämpfe, wie im Langlauf oder Biathlon. Das alles sind Ansätze für noch mehr Action und Spannung. Man muss versuchen, die richtige Mixtur aus sportlicher Wertigkeit und Show zu finden. Immer nur die olympische Distanz zu verkaufen, wird irgendwann wahrscheinlich nicht mehr ausreichen. Für mich persönlich bietet eine Meisterschaft mit einem Rennen an einem Tag mehr Flair, mehr Spannung und eine größere Dramatik. Vielleicht entstand auch deshalb keine große Liebesgeschichte zwischen der Serie und mir. Aber Geschichten ändern sich ja auch manchmal.

Einer Ihrer ehemaligen Kollegen sorgte im Oktober auf Hawaii für Furore. Trauen Sie Andreas Raelert auch den Sieg in Kona zu?

Andreas ist seit vielen Jahren ein guter Freund und Trainingspartner von mir. Seit ich ihn kenne, trainiert er unglaublich viel und hart. Den meisten Mannschaftskollegen war schon immer klar, dass er auch auf der Langstrecke bestehen kann. Es gibt niemanden, der mich im Training häufiger an meine Grenzen gebracht hat. Auch und gerade weil er immer dann noch eine Zusatzschleife gedreht hat, wenn andere längst unter der Dusche standen. Ich weiß, dass er Hawaii gewinnen kann - und ich würde es ihm von ganzem Herzen gönnen!

Liegen auch bei Ihnen Pläne für eine Karriere auf der Mittel- oder Langstrecke in der Schublade?

Ich glaube nicht, dass ich ähnliches Talent für die Langstrecke besitze wie Andreas. Und Talent bedeutet in diesem Zusammenhang für mich Belastungsverträglichkeit im Umfangsbereich und eine relativ hohe Geschwindigkeit im Training der Grundlagen. Als Triathlet der olympischen Distanz habe ich tolle Momente erlebt und großartige Erfolge gefeiert. Ich habe fast alles gewonnen, was ich mir je erträumt habe und was man auf dieser Distanz überhaupt gewinnen kann. Aber an dem Tag, an dem ich meine aktive Karriere beende, würde ich gern das kleine Wörtchen "fast" weglassen. Meine momentane Triebfeder für das tägliche Training sind die Olympischen Spiele in London. Die Langstrecke wird eventuell später noch ein Thema für mich sein, weil ich einem Sponsor versprechen musste, es zumindest zu versuchen. Ich möchte allerdings den richtigen Zeitpunkt nicht versäumen, dem Leben als Profisportler Lebewohl zu sagen. Gerade seit der Geburt meines Sohnes weiß ich besser als je zuvor: Es gibt noch so viel mehr als nur Schwimmen, Radfahren und Laufen! Die Privilegien eines Spitzensportlers, aber auch die Entbehrungen, lohnen sich nur, so lange wie man mit den Besten konkurrieren kann. Deshalb wünsche ich mir auf Augenhöhe mit der Weltspitze aufzuhören - egal ob auf Kurz-oder Langstrecke.

Die Vorbereitung auf die anstehende Saison hat schon begonnen. Mit welchen sportlichen Zielen gehen Sie ins nächste Jahr?

Als Familienvater trage ich mittlerweile die Verantwortung der Fürsorge. Um dieser großen Aufgabe wirklich gerecht zu werden, muss ich in meinem derzeitigen Beruf als Profi-Triathlet einen guten Job machen. Nichts anderes ist mein Ziel!
Jan Sägert

Weitere Informationen zum Thema
Special World Championship Series 2009
triathlonTV: Das Saisonfazit von Daniel Unger | Hamburg 2007: Unger neuer Weltmeister
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