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15. Dezember 2009

Twelsiek: "Die Weltspitze ist nicht so weit weg"

TwelsiekM_IM_Hawaii09
Maik Twelsiek
Der Lemgoer Maik Twelsiek hat sich in den letzten Jahren im Schatten seiner äußerst erfolgreichen Landsmänner zu einem der besten deutschen Ironman-Triathleten entwickelt. Auf tri-mag.de spricht der 28-Jährige über seine Entwicklung und Zukunftsvisionen.

Maik Twelsiek, Sie haben eine sehr erfolgreiche Saison mit Siegen in Bonn, beim Ironman Lake Placid in den USA und einem 12. Platz beim Ironman Hawaii hinter sich. Trotzdem stehen Sie in der Öffentlichkeit nach wie vor im Schatten von Faris Al-Sultan, Timo Bracht, Andreas Raelert oder Normann Stadler. Ärgert Sie das?

Mit der diesjährigen Saison bin ich wirklich sehr zufrieden! Vor allem, wenn man die Entwicklung in den letzten Jahren betrachtet, zeigt meine Formkurve stetig nach oben. Das ist das Wichtigste. In diesem Jahr habe ich außerdem zum ersten Mal drei Rennen über die volle Ironman-Distanz bestritten. Auch diese Rechnung ging auf, denn mit einem fünften Platz in Australien, dem Sieg in Lake Placid und einem zwölften Platz auf Hawaii bin ich absolut glücklich. Dass ich mit 28 Jahren auf der Langdistanz so konstant gute Leistungen zeigen kann, ist für mich wichtiger als mich mit den ganz Großen zu vergleichen. Da kann man nicht davon sprechen, dass ich in irgendeinem Schatten stehe. Denn die vier Jungs haben Siege und gute Platzierungen bei den wichtigsten Ironman-Rennen in der Tasche. Davor kann ich nur den Hut ziehen und versuchen, eines Tages ähnliche Erfolge zu feiern. Normann ist zweifacher Ironman-Weltmeister, Timo zweifacher Europameister, Faris hat das Rennen auf Hawaii auch schon gewonnen und Andreas war bei seiner Premiere dort auf Anhieb Dritter. An solchen Resultaten arbeite ich noch und fühle mich in meiner jetzigen Rolle sehr wohl.

Ebenfalls wohl gefühlt haben Sie sich offenbar auf der Radstrecke beim Ironman auf Hawaii. Dort haben Sie Ihre Klasse aufblitzen lassen, gingen hinter Chris Lieto als Zweiter auf die Laufstrecke. War das taktisch bedingt, oder sind Ihnen ein wenig die Nerven durchgegangen, als Sie so weit vorn mitmischen konnten?

Das Radfahren ist meine Stärke. Es gab auf Hawaii keinen Grund, sich zu verstecken. Immerhin habe ich mich gut gefühlt und hatte gute Beine. Da habe ich es einfach laufen lassen und versucht, etwas Zeit gutzumachen. Bei dem Gedanken, mit Crowie (dem zweifachen Hawaii-Sieger Craig Alexander, Anm d. Red.) auf die Marathonstrecke zu gehen, nimmt man auf dem Rad nicht unbedingt Gas heraus, wenn es gut läuft ...

Was fehlt Ihnen noch, um den Anschluss an die absolute Spitze zu schaffen?

2008 war ich 14. auf Hawaii, dieses Jahr habe ich nach dem Radfahren an Position zwei gelegen und bin am Ende Zwölfter geworden. Ich habe insgesamt also zwei Plätze gut gemacht beim wichtigsten Rennen des Jahres. Die Weltspitze ist nicht mehr so weit weg. Aber ich möchte und muss mich natürlich weiter kontinuierlich verbessern. Mein Schwimmen ist zwar dieses Jahr schon deutlich besser geworden, aber da ist noch Potenzial, um zu vermeiden, dass man am Anfang der Radstrecke erst eine Lücke zu fahren muss. Mein Raddruck ist schon konkurrenzfähig. Aber beim Laufen sind noch Verbesserungsmöglichkeiten. Daran werde ich in diesem Winter arbeiten, um dann vielleicht nächstes Jahr in die Top 10 zu kommen.

Apropos Arbeit: Sie gelten als Trainingsweltmeister, der Rad, Laufschuhe und Badehose immer in Reichweite braucht. Wie viele Stunden in der Woche kommen da zusammen?

Also ich mache das, was ich mache, wirklich gerne! Ich habe einfach totale Lust an der Bewegung und kann nicht lange still sitzen. Sportschuhe und Badehose habe ich einfach immer mit dabei. Das Training ist mein Lebensmittelpunkt. Ich fühle mich jedoch nicht als Trainingsweltmeister. Das, was ich trainiere, steht so auf meinem Plan, und der hat sich in den letzten Jahren bewährt. Meine Pläne schreibt nach wie vor Lucie Zelenkova. Und ich denke, dass wir damit auf einem guten Weg sind. Sie kennt mich mittlerweile wirklich gut und weiß, was und wie viel ich ab kann - sie genießt diesbezüglich mein vollstes Vertrauen.

2009 sind Sie mit dem Ironman Australia in die Saison gestartet und haben sich dort frühzeitig die Hawaii-Qualifikation gesichert. Was sieht der Fahrplan für 2010 vor?

Ich habe auch im kommenden Jahr wieder drei Ironman-Rennen geplant. Das hat 2009 gut geklappt und ist auch machbar, wenn man es gut auf das Jahr verteilt. Dieses Jahr bin ich nach dem Sieg in Lake Placid schon drei Wochen später wieder bei einer Mitteldistanz gestartet und habe mich dort gut gefühlt. Meine Regenerationszeit wird von Rennen zu Rennen immer besser. Bei meinem nächsten Ironmanstart wird es übrigens ein kleines Jubiläum geben, es wird dann meine zehnte Langdistanz! Welches Rennen das sein wird, möchte ich aber erst verraten, wenn der Plan ganz sicher steht.
Nis Sienknecht

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