Mein tri-mag.de

Login:
Passwort:
Immer
Passwort?   Registrieren

Anzeigen

Ihre Meinung

Was wird 2010 Ihre größte Neuanschaffung?
 
Home > AKTUELL > Szene > DTU-Verbandsrat: Demokratie der Mächtigen
07. November 2009

DTU-Verbandsrat: Demokratie der Mächtigen

Tuer_zu1
Presse unerwünscht
Mit dem Versprechen größerer Basisnähe und Transparenz hatte Claudia Wisser vor einem Jahr ihr Amt als Präsidentin der Deutschen Triathlon Union angetreten. Doch was sich jetzt beim DTU-Gipfel in Darmstadt abspielte, empfanden viele als das Gegenteil.

Man darf davon ausgehen, dass Jan Frodeno seine guten Wünsche ernst meinte. Der Olympiasieger von Peking hatte seine Anreise zum am Abend in Frankfurt stattfindenden Deutschen Sportpresseball eigens unterbrochen, um dem DTU-Präsidium und den Delegierten der 15 in Darmstadt anwesenden Landesverbände für ihren Einsatz zu danken und Kraft zu wünschen für ihren Tagungsmarathon.

Auffällige Machtgeflechte


Frodenos nur wenige Minuten dauernder Auftritt sei der einzige wirklich harmonische Moment des Tages gewesen, meinten frustriert einige der Teilnehmer nach dem Ende der achtstündigen Sitzungen, die zum ersten Mal in der Geschichte der DTU unter völligem Ausschluss der Öffentlichkeit stattfanden. Schon während des Auftakts der Beratungen, dem Außerordentlichen Verbandstag, habe sich eine Frontlinie angedeutet, die sich im Laufe des Tages immer stärker markierte: Das Präsidium und die drei großen Landesverbände Nordrhein-Westfalens (Präsident Dieter Hofmann), Baden-Württembergs (Björn Steinmetz) und Bayerns (Peter Pfaff) gegen den Rest.

Überrascht hat das allerdings niemanden wirklich: Hofmann hatte in seiner Funktion als Sprecher der Landesverbände in der jüngeren Vergangenheit immer wieder eine besondere Präsidiumsnähe gezeigt, Steinmetz ist Mitveranstalter eines Rennens der Challenge-Serie, für die Rechtsanwältin Wisser beratend tätig ist. Die wiederum betreibt seit Anfang des Jahres gemeinsam mit ihrem Vizepräsidenten Ralf Eckert eine Kanzlei in Eching vor den Toren der bayerischen Landeshauptstadt München.

Der Verdacht, die Machtkonzentration könne mehr als ein bloßer Zufall sein, erhielt weitere Nahrung, als nach einer mehr als einstündigen hitzigen Aussprache der zweite Tagesordnungspunkt des von Wisser einberufenen Außerordentlichen Verbandstags anstand: die Neuwahl eines Kassenprüfers. Kurz zuvor hatte sich die Präsidentin (vielleicht auch ihr Vizepräsident Eckert - so genau weiß man das eigentlich gar nicht) mit Hilfe der "drei Großen" mit dem Antrag durchgesetzt, den Schleswig-Holsteiner Carsten Bieler aus dieser Funktion abzuberufen. 156 von 294 möglichen Stimmen - diese aus der Zahl ihrer Mitglieder berechnete absolute Mehrheit vereinigten nämlich allein die drei Vertreter aus Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen auf sich. Damit war klar: Bayerns Präsident Pfaff würde seinen Kandidaten Max Dachauer auf jeden Fall durchsetzen. Dreimal wohl forderten die Vertreter der "kleinen" Verbände Bayern zum Verzicht auf. Abgelehnt!

Vizepräsident "von oben herab"


Wie sehr sich die Diskussionskultur innerhalb der DTU seit Wissers Amtsübernahme im November 2008 verändert hat, zeigte sich auch in der Art, wie das Präsidium im Laufe des anschließenden Verbandsrats auf kritische Anfragen aus dem Plenum reagierte. Immer wieder soll Vize Eckert das Wort an sich gerissen, "von oben herab" die Versammlung der Landespräsidenten, immerhin das übergeordnete demokratische Organ des Verbands, "regelrecht abgekanzelt" haben, berichtet DTU-Ehrenpräsident Dr. Martin Engelhardt, der als Vertreter des Hessischen Triathlonverbands anwesend war. Dabei blieben die Finanzen führendes Thema - obwohl einer der Haupttagesordnungspunkte entfallen musste: der Bericht der Kassenprüfer. Dessen Erscheinen auf dem offiziellen Einladungsschreiben des Präsidiums war wohl ein Versehen - wenigstens bemühte man sich am Samstag, es so aussehen zu lassen.

Denn das, was nach Wissers Eingriff in die satzungsgemäßen Kontrollvorgänge (tri-mag.de berichtete) von der verbliebenen Kassenprüferin Britta Steingans Anfang Oktober abgeliefert worden war, machte sich gar nicht die Mühe, den Anschein einer unabhängigen Beurteilung zu wecken. Zwar könne eine abschließende Prüfung des Jahres 2008 noch nicht stattfinden, weil die Bilanz noch nicht vorlag, es werde "aber wohl in 2008 ein Gewinn erzielt werden", prophezeit Steingans sozusagen rückwirkend. Später diagnostiziert sie dann: "In Summe kann von meiner Seite nach einer sehr langen und ermüdenden Prüfung festgestellt werden, dass die DTU mit den neuen Vorständen eine gute Wahl getroffen hat und wieder der Sport im Vordergrund steht." Über solche wenig sachlichen Formulierungen dürfte sich allein die Präsidentin gefreut haben.

24.000 Euro pro Jahr für Wisser und Eckert


Als es dann nach sechs nervenaufreibenden Stunden wirklich endlich mal um den Sport ging, waren viele der Delegierten wohl ebenfalls ein wenig ermüdet. Die Diskussionen um das zulässige Wettkampfformat der Altersgruppe "Schüler D" oder die korrekte Benennung der Triathlon-Kurzdistanz in der DTU-Sportordnung konnte jedenfalls nur noch einen Teil der Delegierten im Sitzungssaal fesseln.

So könnte es auch zu erklären sein, dass kurz vor Schluss einer der brisantesten Anträge mit lediglich drei Gegenstimmen durchging: Nur Hessen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein bemühten sich, die sogenannten Dienstverträge zu verhindern, die Präsidentin Wisser und ihr Vize Eckert bereits vor Monaten im schriftlichen Umlaufverfahren hatten durchsetzen wollen. Mit dem Segen der Landesverbände lassen sich beide ihren intensiven Einsatz für den Verband ab sofort und rückwirkend zum Januar 2009 mit je 1.000 Euro pro Monat und einem Dienstwagen entschädigen. Dass Schleswig-Holsteins Präsident Carsten Bieler, von Beruf Betriebsprüfer beim Finanzamt Neumünster, schon damals große steuerrechtliche Bedenken gegen eine solche Verwendung von Verbandsmitteln geäußert hatte, war einer der Gründe für sein Zerwürfnis mit der Führungsspitze der Deutschen Triathlon Union.
Jens Richter aus Darmstadt


Weitere Beiträge auf tri-mag.de
DTU-Präsidentin setzt Kassenprüfer vor die Tür (4.11.2009)
Kommentare (3)Add Comment
Dennis
Autsch
geschrieben von Dennis, November 08, 2009
Was soll man da noch sagen?? Die Hoffnung auf einen positiven Neustart in der DTU scheinen sich ja mittlerweile ins krasse Gegenteil gewandelt zu haben.
Ich kann mich nur wundern, Lowly rated comment [Show]
Ich vergass, Lowly rated comment [Show]

Kommentar schreiben
Du mußt angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben. Bitte registrieren, wenn Du noch kein Konto noch hast.

busy
 

Unsere Abo-Angebote

abo_gesamt_tri-mag_web.jpg

Triathlon-Termine 2010




triathlon-Fanshop

Shopartikel

Besuchen Sie unseren Fanshop!

Das große triathlon-Archiv

© 2009 spomedis GmbH
Home   »  Impressum   »  Werbung   »  RSS-Übersicht   »  Sitemap   »  Kontakt